
Die Gerresheimer
Glashütte
Eine Hütte prägt einen Stadtteil ... 1864 bis 2005
Die Geschichte der Gerresheimer Glashütte erstreckt sich über mehr als 140 Jahre. Aus einem regionalen Industriebetrieb entwickelte sich einer der bedeutendsten Hersteller von Behälterglas in Europa. Der Zeitstrahl zeigt wichtige Stationen dieser Entwicklung – von der Gründung über technische Innovationen und Wachstumsphasen bis hin zum Ende der Glasproduktion in Gerresheim.
1864
hat Ferdinand Heye die Gerresheimer Glashütte gegründet und mit zwölf Glasmachern in Gerresheim gestartet. Dort führte die erste Eisenbahnstrecke Westdeutschlands entlang und es gab einen Bahnhof – beste Voraussetzungen, um Rohware anzuliefern und die Glasprodukte in die Welt zu versenden.
1865
waren es bereits 88 Arbeiter, die 800.000 Flaschen jährlich produzierten – mundgeblasen.
1902
hatte es die Gerresheimer Glashütte zur größten der Welt geschafft: 5.300 Menschen arbeiteten dort und stellten 150 Millionen Flaschen her – immer noch mundgeblasen.
Ab 1908
wurden die ersten „Owens-Automaten“ angeschafft. Diese konnten mit nur zwei Bedienern 9.600 Flaschen in einer Stunde herstellen – so viele, wie in der gleichen Zeit 42 Glasmacher benötigten.
1933
wurde die kommunistische Arbeiterbewegung brutal von den Nationalsozialisten zerschlagen. 3.500 Polizisten, SS- und SA-Männer durchkämmten das Gebiet rund um die Glashütte und nahmen 280 Männer und Jugendliche fest, viele wurden misshandelt.
1937
wurde das „G“ mit Krone vorgestellt.
1939
wurde der Markenname „Gerrix“ eingeführt.
1939-45
wird die Gerresheimer Glashütte zum „kriegswichtigen Betrieb“ und produziert Glaswolle und -fasermatten für Panzer und U-Boote. In dieser Zeit werden rund 2.100 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten mussten.
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Belegschaft Glaswanne
Ende des 19. Jahrhunderts kamen viele Fachkräfte aus dem Baltikum und den östlichen Gebieten des Reiches zur Gerresheimer Glashütte. Hierzu zählte auch diese Belegschaft einer Glaswanne. Stolz präsentieren sie ihre Glasmacherpfeifen und einige Produkte ihrer Handwerkskunst. Auch Kinder arbeiteten damals in der Glashütte.
Foto: Helma Wegener
Text aus dem Bildband: „Düsseldorf-Gerresheim: Neue Reise in die Vergangenheit“ von Thomas Boller, Peter Stegt
Ab 1948
profitiert auch die Gerresheimer Glashütte vom Wirtschaftswunder. Ab Ende 1950 wurden die ersten „Gastarbeiter“, hauptsächlich aus Italien, Jugoslawien und Griechenland angeworben. Sie sollten hier in Gerresheim eigentlich nur vorübergehend arbeiten – viele blieben, gründeten Familien und prägen bis heute das Stadtbild des südlichen Gerresheims.
1964
arbeiteten ca. 5.300 Menschen in der Glashütte
Ab 1970
führten Eigentümerwechsel und strategische Fehlentscheidungen zu Entlassungen.
1996
arbeiteten nur noch etwa 1.000 Menschen in der Glashütte

Arbeiten in der Glashütte
So sah der Arbeitsplatz von Herbert Winkelmann (links, stehend) und Helmut Kunkel (vorne, auf dem Boden) in der Glashütte aus. In der Pause gönnte man sich, in den 1950er Jahren noch erlaubt, ein Fläschchen Bier - natürlich aus einer Flasche mit Bügelverschluss. Auf der Anlage im Hintergrund wurden übrigens gerade Milchflaschen produziert.
Foto: Margit Ribaric
Text aus dem Bildband: „Düsseldorf-Gerresheim: Neue Reise in die Vergangenheit“ von Thomas Boller, Peter Stegt
1999
verkaufte die Gerresheimer Glas AG an die BSN glaspack
2004
verkaufte die BNS glaspack an Owens Illinois (OI)
2005
schloss OI die Gerresheimer Glashütte. Zuletzt arbeiteten hier nur noch 230 Menschen.
2026
Die in der Ausstellung gezeigten Objekte sind Teil dieser Geschichte. Sie machen die Vergangenheit der Gerresheimer Glashütte bis heute greifbar.

Kaum zu glauben
Heutzutage nur schwer vorstellbar: In einer Produktionshalle findet eine feucht-fröhliche Feier statt. Die wahrscheinlich in der Glashütte hergestellten Flaschen auf dem Tisch verließen die Hütte in leerem Zustand. In einer Brauerei mit Gerstensaft befüllt, kamen sie voll zurück, um die Glashütte später wieder leer zu verlassen...
Foto: Arthur Knap
Text aus dem Bildband: „Düsseldorf-Gerresheim: Neue Reise in die Vergangenheit“ von Thomas Boller, Peter Stegt




